Sozialethische Offensive (2009-2014)

Projektübersicht

Ein Fortbildungstag für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der KEB mit Reinhard Kardinal Marx zur Sozialenzyklika „Caritas in Veritate“ von Papst Benedikt XVI. am 19. September 2009 war Keimzelle eines ungewöhnlichen bayernweiten Bildungsprojekts: der „Sozialethischen Offensive“ der KEB Bayern.

Etliche Erwachsenenbildnerinnen und Erwachsenenbildner waren der Überzeugung, dass Christliche Sozialethik als Bildungsthema nicht nur gestärkt werden muss, sondern sogar reizvoll in die Praxis umgesetzt werden kann. Ausgestattet mit einem eigenen Budget der KEB Bayern machten sie sich an die Arbeit. Ergebnis war ein Konzept, das auf mehrere Jahre angelegt war und 2014 erfolgreich zu Ende gegangen ist.

Die Sozialethische Offensive war eine Antwort auf die Tatsache, dass die Katholische Kirche gerade angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Problemlagen mit ihrer Soziallehre höchst zeitgemäße Antworten parat hat – diese aber vernehmbarer nach außen tragen könnte. Dies insbesondere in der kirchlichen Bildungsarbeit umzusetzen, war eigentliches Ziel des Projekts. Dazu gehörte natürlich ganz wesentlich, diese kirchlichen Lösungskonzepte an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von katholischen Bildungsveranstaltungen in Bayern (immerhin ca. 1,7 Millionen im Jahr) weiterzugeben und so vielleicht auch einen politischen Meinungsbildungsprozess mit zu gestalten.

Elemente der Sozialethischen Offensive

1. Wissenschaftlicher Projektbeirat

Für die qualitätsvolle Ausgestaltung des Projekts war es unerlässlich, die Offensive von einem supervidierenden Projektbeirat wissenschaftlich begleiten zu lassen. Entscheidende Projektbausteine und Entwicklungen wurden von diesem Beirat diskutiert und entschieden. Neben zwei KEB-Angehörigen (Vorstandsmitglied und Mitarbeiter der vorbereitenden Projektgruppe) gehörten dem Beirat mit Prof. Dr. Bernhard Laux, Prof. Dr. Markus Vogt und Prof. DDr. Johannes Wallacher drei wissenschaftlich profilierte Sozialethiker an.

2. Arbeitsmaterialien für Erwachsenenbildner

In mühevoller Kleinarbeit wurden Arbeitsmaterialien zu sozialethischen Themengebieten zusammengestellt. Diese Materialien konnten als Basis für Bildungsveranstaltungen dienen und waren für den Zeitraum der Dauer der Sozialethischen Offensive im Internet abrufbar.

3. Auszeichnung von Best-Practice-Veranstaltungen

In diesem sehr wirkungsvollen Baustein wurden einmal jährlich besonders gelungene Bildungsveranstaltungen zu ausgewählten sozialethischen Themenfeldern ausgezeichnet. Der wissenschaftliche Projektbeirat fungierte hier als Jury und kürte drei Preisträger, die jeweils 2.000 € Preisgeld erhielten.

2011 lautete das Motto „Zukunft des Sozialstaats“, 2012 lobte der Vorstand der KEB Bayern das Thema „Globale Gerechtigkeit“ aus, 2013 konnte man sich zum Themenfeld „Partizipation“ bewerben und 2014 stand das Thema „Lebensstil – Lebensraum“ im Zentrum der Ausschreibung.

Faszinierend an diesem Baustein war, dass sich darin die ganze Bandbreite der Katholischen Erwachsenenbildungsarbeit spiegelte und das besondere Engagement auch kleinerer Bildungsinstitutionen gewürdigt werden konnte. Die Kreativität aller Teilnehmenden war enorm, die Preisverleihung etablierte sich als ein Höhepunkt der Mitgliederversammlungen der KEB Bayern!  

Folgende Preisträger konnten ausgezeichnet werden:

 Zukunft des Sozialstaats (2011):

  • KAB-Bildungswerk Augsburg: Sozialtag der Katholischen Verbände.
  • KAB-Bildungswerk Regensburg: Bedingungsloses Grundeinkommen
  • Kreisbildungswerk Ebersberg: Jugendarmut - (k)ein Thema!?

Laudator: Dr. Albert Schmid, Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern

Globale Gerechtigkeit (2012):

  • KDFB-Diözesanverband Augsburg: Augen auf beim Kleiderkauf
  • Caritas-Pirckheimer-Haus, Nürnberg: Diskussion der ethischen Gesellschaftsalternativen im Bereich Wohlstand, Wirtschaft, Geldanlagen
  • KEB im Kreis Neustadt und der Stadt Weiden: Klima und Co.

Laudator: Dr. Bernhard Forster, Mitglied des Wissenschaftlichen Projektbeirats, damals Geschäftsführer der KEB Rottal-Inn-Salzach, jetzt wissenschaftlicher Mitarbeiter der Katholischen Akademie Bayern

Partizipation (2013):

  • Bildungswerk Rosenheim e.V.: Europa am Scheideweg? – Wir sind Europa!
  • Kolping Bildungswerk Bayern e.V.: WählBar

Laudator: Prof. Dr. Markus Vogt, Mitglied des Wissenschaftlichen Projektbeirats, Lehrstuhlinhaber für Christliche Sozialethik, Universität München

Lebensstil – Lebensraum (2014):

  • KAB Diözesanverband Würzburg: Engelberg Gespräch Fremde Nachbarn – Heimatvertriebene, Gastarbeiter und Flüchtlinge am Untermain
  • KEB Fürth: Armut in den Blick genommen
  • KBW Berchtesgadener Land: Leben auf der Alm. Heile Welt und Wirtschaftsfaktor

Laudator: Prof. DDr. Johannes Wallacher, Mitglied des Wissenschaftlichen Projektbeirats, Präsident der Hochschule für Philosophie München

4. Fortbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – Teil 1: Grundkurs Sozialethik

20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KEB Bayern besuchten im Jahr 2011 an zwei Wochenenden einen „Grundkurs Sozialethik“. In einem ersten Schritt wurde in die Theorie der Christlichen Soziallehre eingeführt, in einem zweiten Schritt wurden Strategien erarbeitet und vermittelt, um sozialethische Bildungsveranstaltungen innovativ zu konzipieren. 

5. Fortbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – Teil 2: Zertifikatskurs „Ethik in globaler Perspektive“

Anliegen der KEB Bayern war es, auch an potentielle Referentinnen und Referenten heranzutreten, und sie für die inhaltliche Durchführung von Bildungsveranstaltungen im Sinne einer wissenschaftlichen Weiterbildung zu qualifizieren. Dabei beschritten zwei Institutionen neue Wege: Die KEB Bayern und die Hochschule für Philosophie München SJ haben sich zu einer Kooperation zusammengeschlossen, im Rahmen derer ein Zertifikatskurs auf dem wissenschaftlichen Niveau eines Masterstudiengangs entwickelt wurde. Der zweisemestrige Zertifikatskurs „Ethik in globaler Perspektive“ – bestehend aus insgesamt sechs Wochenendeinheiten – ist Teil eines kostenpflichtigen, weiterbildenden Masterprogramms der Hochschule für Philosophie und wird für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von der KEB Bayern mitfinanziert, sofern sie sich bereiterklären, für Institutionen der Katholischen Erwachsenenbildung als Referentin bzw. Referent zur Verfügung zu stehen.

Die Resonanz auf dieses Fortbildungsangebot war und ist überwältigend: Den ersten Kurs 2012/2013 absolvierten 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, für den zweiten Kurs 2013/2014 haben sich sogar 37 Personen angemeldet – bei einer maximalen Teilnehmerzahl von 20 Personen deutlich jenseits der Kapazitätsgrenze! Diese überraschend hohe und zugleich ungemein wichtige Nachfrage hat dazu geführt, dass die KEB Bayern und die Hochschule für Philosophie ihre Kooperation um mindestens zwei Jahre bis einschließlich 2016 verlängert haben.

Diese Erfolgsgeschichte des Zertifikatskurses hat vermutlich mehrere Gründe:

  • hohes wissenschaftliches Niveau und zugleich Praxisorientierung der Fortbildung,
  • Heterogenität der Gruppe mit unterschiedlichen Berufs- und Altersgruppen, die sich jeweils gegenseitig befruchten,
  • Vereinbarkeit der Fortbildung mit der eigenen Berufstätigkeit und
  • Möglichkeit der Anrechenbarkeit der Leistungen aus dem Zertifikatskurs auf den Masterstudiengang „Angewandte Ethik“.

Fazit und Ausblick

Die Sozialethische Offensive war von Anfang an auf eine Dauer von drei bis fünf Jahren ausgelegt. Das Jahr 2014 stellt das Ende mit bleibenden Impulsen für die KEB Bayern dar: Die Best-Practice-Auszeichnung soll für die kommenden Jahre weitergeführt werden – allerdings nicht mehr mit sozialethischen Themenfeldern, sondern mit Ausschreibungen, die künftig das gesamte Spektrum Katholischer Erwachsenenbildung abdecken.

Der Zertifikatskurs „Ethik in globaler Perspektive“ könnte sich zu einem Baustein entwickeln, welcher noch länger fortdauert: Die oben beschriebene Resonanz zeigt, dass die KEB Bayern mit der gesamten Sozialethischen Offensive ein Thema aufgegriffen hat, das aktuell vielen Menschen unter den Nägeln brennt.